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„Ich möchte, dass alle mitdenken“

vor 13 Minuten
3 Min. Lesezeit

FADZ-Kamingespräch mit Landrat Christian Meißner


„Wir haben großartige Unternehmen bei uns in der Region. Sie zeigen sich bescheiden. Da könnten wir auch als Landkreis noch besser nach außen wirken.“ Landrat Christian Meißner ist zum Kamingespräch des FADZ-Wirtschaftsverbandes in die Schankstube am Markt gekommen. Das Kaminfeuer lodert im Fernseher hinter ihm. Die Zeiten wandeln sich, auch das Feuer ist digital.


Landrat Christian Meißner erklärt, was im Landkreis Lichtenfels zählt.
Landrat Christian Meißner erklärt, was im Landkreis Lichtenfels zählt.

„Wir merken den Strukturwandel bei uns im Landkreis gerade im Bereich E-Commerce, Automobil und Polstermöbel“, sagt der Landrat. Er besucht mit seinem Wirtschaftsförderer Helmut Kurz die Firmen im Kreis und kann so manche Aufgaben fast nebenbei erledigen: „Der eine erzählt mir, dass er sich von Immobilien trennen will, der andere braucht mehr Platz. Das passt doch zusammen. Wir müssen einfach miteinander reden“, so Meißner.


Ob Bürokratie oder knappe öffentliche Haushalte: „Wir müssen oft für Aufgaben bezahlen, die uns andere auferlegt haben. Da wünsche ich mir mehr Konnexitätsprinzip – wer anschafft, zahlt.“ Meißner und die Mitglieder des Wirtschaftsverbandes reden offen, sie tauschen sich aus, beleuchten viele Themen. Wenn der Landrat, selbst im Dezember geboren, damals das 1300ste Kind im Landkreis war „und ich jetzt für das laufende Jahr bis Mai 71 Geburten gemeldet bekomme“, dann könne man sich vorstellen, was das für Auswirkungen habe. Da verändern sich Schulen – und die Unternehmen brauchen auch künftig gut ausgebildete Mitarbeiter. Wolfgang Schubert-Raab, Geschäftsführer der RAAB-Baugesellschaft, erlebt heute schon, wie schwer es ist, gut Mitarbeiter zu finden. Wer kommt, möchte immer öfter in Teilzeit arbeiten, um nebenbei ein eigenes Gewerbe aufzubauen. Kau Abele von Kau-Invest bestätigt das: „Ich erlebe dabei eine hohe Motivation und eine wirklich hohe Loyalität zum Hauptarbeitgeber.“



Die Unternehmer rund um Landrat Christian Meißner tragen auch zusammen, was gut funktioniert. „Wir wohnen hier, weil wir uns hier noch ein kleines Haus leisten können – das kann selbst ein Ingenieur in Erlangen heute nicht mehr“, so Abele – der selbst zweimal in der Woche mit dem Zug nach Fürth in seine Firma pendelt. Markus Lippert ist lange vor seiner Zeit als Brauer, Wirt und Gastgeber als Informatiker von Stuttgart nach Lichtenfels zurückgekehrt: „Wir konnten das damals nur tun, weil es hier Jobs gab. Ohne attraktive Stelle wäre ich nicht zurück gekommen.“

Menschen, die zurück kommen, Menschen die hier wohnen und beispielsweise 16 Zugminuten weiter in Bamberg arbeiten zeigten, wie attraktiv der Landkreis sei, so Meißner: „Wir haben inzwischen einen ÖPNV, der wirklich seinen Namen verdient. Und wir haben einen wunderschönen Landkreis und wir haben eine Top-Infrastruktur. Das dürfen wir ruhig auch mal nach außen tragen.“ Da könne, so der Landrat, auch der Landkreis noch besser werden – und jeder Unternehmer: „Wir haben viele wirklich beeindruckende Firmen, die teilweise auf dem Weltmarkt unterwegs sind. Die brauchen auch nicht immer so bescheiden sein.“



Meißner selbst habe da auch von einem seiner Vorzeigeprojekte gelernt. „Moll baut seine Natrium-Ionen-Batterien ab 2027 bei uns Bayern. Hier in Lichtenfels. Und das, obwohl die Firma bereits einen Förderbescheid eines anderen Bundeslandes gehabt hat.“ Miteinander reden, die Stärken herausstellen und dann auch handeln, das mache den Landkreis aus. Der FADZ-Wirtschaftsverband-Vorstand und Erfinder des Kaminabends, André Baumann, bringt dafür ein weiteres Beispiel: „Wir produzieren nachhaltig Folien – immer dünner bei gleicher Leistung. Wenn wir jetzt für alle in der Branche einen neuen Studiengang für Green Packaging nach Lichtenfels bekommen, zeigt das, wie wir gemeinsam an der Zukunft arbeiten.“ Mit „gemeinsam“ meint er damit ausdrücklich viele verschiedene Unternehmen, er meint damit Hochschule, Politik und Wirtschaft und er meint die Gemeinsamkeit von Jung und Alt.



Andreas Poth, Vorsitzender des FADZ-Wirtschaftsverbandes, lobt den gemeinsamen Austausch: „Wir müssen alle flexibler werden, um zu bestehen. Die Grundlage dafür ist es, miteinander zu reden. Wenn wir uns gegenseitig verstehen, haben wir noch lange nicht die gleiche Meinung. Wenn wir allerdings das Warum besser verstehen, gelingt es uns auch besser, einen gemeinsamen Ansatz zu finden.“

Bei Familie Meißner hat der Vater den Sohn im Stadtrat von Lichtenfels abgelöst: „Als ich Landrat wurde, konnte ich nicht mehr Stadtrat sein. Mein Vater hat dann kandidiert und ist gewählt worden“, erzählt Meißner. Habe er früher die Klagen gehört, dass seinem Vater alles zu langsam gehe, hätte sich das Blatt dann gewendet: „Politik ist ein langwieriges Geschäft. Auch wenn die Bevölkerung die Geduld nicht mehr hat, müssen wir sie mitnehmen.“ Das Abwägen koste eben Zeit. „Wenn ich einen Wunsch haben darf: Ich möchte, dass bei der Entwicklung unseres Landkreises alle mitdenken.“

Fotos: Tim Birkner

 
 
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