Von Holz, Herzblut und Haltung
- vor 16 Stunden
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FADZ Expertentalk bei der Holzwerkstatt Gehringer zeigt, wie aus Holz die Antiquitäten der Zukunft entstehen

Es war kein gewöhnlicher Blick hinter die Kulissen – es war eine Reise durch Zeit, Handwerk und Haltung. Mitte März lud der FADZ Wirtschaftsverband zum Expertentalk in die Holzwerkstatt Gehringer ein. Und wer dabei war, dürfte Holz seitdem mit anderen Augen sehen.
Schon beim Betreten der Werkstatt wurde klar: Hier geht es nicht um schnelle Möbel, sondern um bleibende Werte. 375 Jahre Familiengeschichte treffen auf durchdachte Fertigung – eine Kombination, die neugierig macht. Geschäftsführer Johannes Gehringer führte persönlich durch die Hallen und nahm die Gäste mit in eine Welt, in der Präzision, Geduld und Leidenschaft den Takt vorgeben.
Hoher Anspruch an Qualität und Langlebigkeit
„Qualität ist bei uns ein Grundmerkmal und nicht verhandelbar“, stellte Johannes Gehringer gleich zu Beginn klar – und ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Anspruch im Alltag gelebt wird. Was das konkret bedeutet, wurde an jeder Station spürbar: vom sorgsam ausgewählten Holz bis zum letzten Schliff. Denn Holz ist hier nicht gleich Holz. Neben heimischer Eiche, Buche oder Nussbaum verarbeitet das Team auch echte Raritäten – etwa Mooreiche, die bis zu 6.000 Jahre alt ist. „Das Material bringt Geschichte mit – aber auch Herausforderungen, etwa bei der Trocknung“, erklärte Gehringer. Herausforderungen, die man hier nicht scheut, sondern annimmt.
Überhaupt: Herausforderungen gehören zum Alltag. Ob beim Zuschnitt – schließlich machen die Materialkosten bis zu 40 Prozent des Verkaufspreises aus – oder bei komplexen Einzelprojekten. Eindrucksvoll schilderte Gehringer die Arbeit an einer Kirchenkanzel in Creußen: außergewöhnliche Formen, wechselnde Luftfeuchtigkeit, höchste Präzision. „Da muss man mitdenken – und manchmal auch um die Ecke.“
Tüftlergeist und außergewöhnliches Design
Dass Handwerk auch Experimentierfreude bedeutet, zeigte ein unerwartetes Beispiel: „Wir haben auch schon mit Karton und Butter Testläufe gemacht, um den perfekten Fräser für ein Werkstück zu entwickeln.“ Ein Satz, der für Schmunzeln sorgte – und gleichzeitig deutlich machte, wie viel Tüftelei hinter den edlen Möbeln steckt. Von Hobeln über Pressen bis hin zum CNC-Fräsen und Schleifen – jeder Prozessschritt offenbarte, wie viel Detailarbeit und Know-how in jedem einzelnen Stück steckt. Serienproduktion? Fehlanzeige. Individualität ist hier Programm.
Seit 2018 geht die Holzwerkstatt mit eigener Marke noch einen Schritt weiter. Für das Design verantwortlich: Bruder Matthias Gehringer. Seine Inspiration? Ungewöhnlich und mutig. „Wir schauen zum Beispiel auf das Stealth-Design der US Air Force oder in die Automobilbranche“, hieß es. Das Ergebnis: Möbel, die national sowie international gefragt sind.
Wo Grenzen verschoben werden
Das Selbstverständnis dahinter bringt Matthias Gehringer auf den Punkt: „Unser Motto ist, Grenzen zu verschieben. Wir machen das, was geht – nicht nur das, was sich gut verkauft.“ Und weiter: „Unsere Möbel sollen auch in 100 Jahren noch nutzbar sein.“ Ein Anspruch, der sich in jedem Detail zeigt: ausschließlich Massivholz, keine Kompromisse bei Materialien, oft grifflose, zeitlose Designs. Möbel mit Charakter – gemacht für lange Zeit.
Am Ende des Abends, der mit einem gemütlichen Get-Together und einer schmackhaften Brotzeit im Showroom ausklang, blieb nicht nur ein tiefer Einblick in ein außergewöhnliches Unternehmen. Es blieb vor allem ein Gefühl: dass echtes Handwerk Zukunft hat – wenn Menschen dahinterstehen, die für ihre Sache brennen. Oder, um es mit einem Besucher zusammenzufassen: „Man merkt sofort – hier wird nicht einfach produziert. Hier wird etwas geschaffen.“
Video-Impressionen
Video: MARKATUS GmbH


























